Schildkröten im Winter: Unterschied zwischen Winterruhe und Winterschlaf

Unterschied Winterruhe und Winterschlaf bei Schildkröten

In dieser kurzen Einführung bekommst Du eine klare Übersicht, wie Du Deine schildkröte sicher durch den winter bringst. Ich erkläre praxisnah, welche zeit und monate wichtig sind und welche grad-Bereiche gelten.

Mediterrane Landschildkröten gehen ab dem ersten Lebensjahr in Winterstarre. Zwei erprobte Methoden sind die Überwinterung im Kühlschrank mit einem Universalthermostat wie dem UT300 und die frostsichere Grube unter einem Frühbeet.

Wichtig sind 4-6 Grad, leicht feuchtes Substrat, regelmäßiges Lüften und keine erzwungene Darmentleerung. In diesem Artikel findest Du konkrete tipps zur artgerechte haltung, Sicherheitschecks und eine kompakte übersicht, damit Deine haltung sicher und entspannt verläuft.

Begriffe klargemacht: Winterschlaf, Winterruhe und Winterstarre bei Schildkröten

Begriffe zählen: Nur mit klaren Definitionen vermeidest Du Fehler bei der Überwinterung Deiner schildkröte. Hier erkläre ich knapp, was die drei Zustände unterscheidet und warum das für Deine Praxis wichtig ist.

Winterschlaf

Der winterschlaf trifft gleichwarme tiere wie Igel oder Murmeltier. Eine innere Uhr steuert Torpor‑Phasen mit kurzen Wachphasen.

Die Körpertemperatur fällt oft unter 10 grad, Atmung und Herzschlag sind stark reduziert.

Winterruhe

Bei der winterruhe gibt es häufige Unterbrechungen: Tiere wachen öfter auf, fressen oder bewegen sich kurz. Die Körpertemperatur sinkt nur leicht.

Winterstarre

Die winterstarre beschreibt wechselwarme arten, darunter viele landschildkröten. Hier bestimmt die Umgebung die Körpertemperatur.

Reize wie Licht oder Berührung wecken das Tier nicht; nur steigende temperaturen bringen Reaktionen zurück.

  • Atmung, Herzfrequenz und Stoffwechsel sind in allen Zuständen reduziert, aber mechanistisch unterschiedlich gesteuert.
  • Schon wenige grad Unterschied verändern die Physiologie deutlich.
  • Mit diesen Definitionen bist Du bereit für die praktische Vorbereitung in den kommenden woche und monate.

Unterschied Winterruhe und Winterschlaf bei Schildkröten

Ein kurzer Vergleich zeigt, wie sich wechselwarme Tiere im Winter verhalten. Atmung und Herzfrequenz sinken stark, sobald die temperatur fällt.

Physiologie im Vergleich

Bei echten Winterschlaf‑Tieren reguliert der Organismus aktiv die Körpertemperatur und zeigt periodische Aufwachphasen.

Bei mediterranen landschildkröten folgt die Körpertemperatur der Umgebung. Atmung und Herzschlag werden sehr langsam. Die RGT‑Regel erklärt, wie Stoffwechselreaktionen mit wenigen grad weniger deutlich langsamer laufen.

Praxisrelevanz und der korrekte Begriff

Darum ist für viele landschildkröten der Begriff winterstarre fachlich korrekt. Temperatur ist hier der dominante Trigger.

In der Praxis heißt das: weniger Störungen, sorgfältiges Monitoring und keine zu warmen Phasen. So schützt Du Energiehaushalt und Gesundheit während der monate der Ruhe.

Arten, Zeit und Temperaturen: Wer überwintert wie lange und bei wie viel Grad?

Die folgende kurze Orientierung hilft Dir, Zeiträume, monate und sichere Gradbereiche einzuordnen. So kannst Du jede schildkröte korrekt zuordnen und das Setup planen.

Europäische Landschildkröten

Als Daumenregel gelten 4–6 °C für viele mediterrane Tiere. Die Dauer liegt meist bei 3–5 monate.

  • Testudo hermanni boettgeri: 4–5 monate bei 4–6 grad
  • Testudo hermanni hermanni, T. marginata, T. graeca ibera: 3–5 monate bei 4–6 grad
  • Testudo horsfieldii: 4–5 monate, kühlere Zone 2–5 grad

Arten ohne Starre

Einige T. graeca‑Linien überwintern warm. Diese arten dürfen nicht künstlich abgekühlt werden. Plane für sie separate Boxen und andere monate‑Dauern.

Wasser‑ und Sumpftiere

Wasserschildkröten zeigen art‑abhängige Reaktionen: von reduzierter Aktivität bis echter Starre.

  • Europäische Sumpfschildkröte: 3–5 monate bei 4–6 grad
  • Gelb‑/Rotwangenschildkröten: je nach Herkunft 4–6 grad oder 15–20 grad
  • Dosenschildkröten: verminderte Aktivität bei ~10–15 grad

Beobachte das Verhalten und starte die Vorbereitung, sobald temperaturen dauerhaft fallen. So triffst Du die richtige zeit für den Beginn.

Vorbereitung auf die Winterstarre: Freiland und Terrarium Schritt für Schritt

Ein strukturierter Fahrplan hilft Dir, Freiland und Terrarium sicher herunterzufahren. Arbeite wocheweise und dokumentiere Werte, Verhalten und Zeiten pro tag.

Freigehege / Frühbeet: Wochenplan für Beleuchtung und Heizpunkte

Woche 1: PAR38 an 9–14 Uhr; Dunkelstrahler (DS) schaltet bei unter 13 grad ein.

Woche 2: PAR38 9–13 Uhr; DS bei

Ab ca. Woche 2 reduziert sich das Fressen meist von selbst.

Terrarium: Wochenweise Reduktion von UV, Beleuchtung und Umgebungstemperatur

Woche 1: UV/Wärme 5 stunden; Tag 19–20 grad, Nacht 13–15 grad.

Woche 2: 4 stunden; Tag 17–18 grad, Nacht 10–12 grad.

Woche 3: 3 stunden; Tag 14–15 grad, Nacht 8–12 grad.

Woche 4: 2 stunden; Tag 10–11 grad, Nacht 6–8 grad. Danach Überführung in den kühlschrank (4–6 grad) wenn die Tiere eingebuddelt sind.

Futter, Darm und Mythen

Füttere nicht künstlich hungern lassen. Landschildkröten stellen die Aufnahme selbst ein, sobald die Bedingungen passen.

Vermeide Warmbäder zur Darmentleerung. Der darm bleibt funktionsfähig und liefert minimale Nährstoffe in der Starre.

Gesundheitscheck

Plane einen tierarzt-Check vor der Vorbereitung. Termin für Parasiten-Kotprobe: Hochsommer (Juli/August).

  • Arbeite mit Zeitschaltuhren und Thermostaten, um grad‑Schwellen sauber einzuhalten.
  • Stelle jederzeit Wasser bereit; entferne frisches futter, wenn Aktivität stark sinkt.
  • Dokumentiere pro woche Verhalten, Temperatur und Beleuchtungsstunden.

Überwinterungsmethoden: Kühlschrank oder Überwinterungsgrube?

Welche Lösung für Deine Tiere passt — kontrollierter kühlschrank oder geschützte Grube im Freiland — entscheidet die Art und Deine räumlichen Möglichkeiten.

Kühlschrank‑Setup

Richte eine separate Einheit als Überwinterung ein. Nutze eine passende box und fülle locker erde; decke das Substrat mit laub oder moos ab.

Stelle die Einheit auf konstante 4–6 grad ein. Ein externer Thermostat (z. B. UT300) mit Sensor im Substrat schaltet bei 6,5 °C an.

Lüfte 1–2× pro woche kurz, prüfe Substratfeuchte (~55%) und Luftfeuchte (50–70%). So vermeidest Du Austrocknung und Sauerstoffmangel.

Überwinterungsgrube im Freiland

Grube frostsicher und rattensicher bauen, ideal unter dem Frühbeet. Die Tiere graben sich meist selbst ein und finden natürliches Mikroklima.

Nach einem Ausgraben solltest Du Nachttemperaturen nicht unter 10 grad fallen lassen. Ein Thermo‑Timer für einen kleinen Heizpunkt verhindert zu kalte Nächte.

Keller und ungeeignete Räume

Vermeide keller, Lichtschächte oder ungeheizte Zimmer, die dauerhaft um ~8 grad liegen. Ab etwa 8 grad beginnt vermehrter Fettabbau.

Ein unvollständiger Stoffwechsel kann Leber schädigen. Plane daher die Überwinterung sorgsam und wähle die passende Methode für Deine schildkröte.

  • Kontrolle pro tag: Temperatur, Feuchte, Kondenswasser.
  • Wöchentliches Lüften und kurze Sichtkontrolle.
  • Kalkuliere die Monate der Ruhe nach Art und Setup.

Kontrolle während der Winterruhe: Temperatur, Feuchte, Gewicht im Blick

Kleine tägliche Checks sorgen dafür, dass Temperatur und Feuchte im sicheren Bereich bleiben. So erkennst Du Abweichungen früh und handelst gezielt.

umgebungstemperatur

Temperatursteuerung und Luft

Stelle die umgebungstemperatur mit einem Thermostat und einem Fühler im Substrat stabil auf 4–6 grad. Ein UT300 oder ähnliches Gerät hilft, Temperaturschwankungen zu vermeiden.

Öffne den Kühlschrank nur kurz 1–2× pro woche, lüfte sonst kurz und kontrolliere Kondenswasser sowie Thermostatwerte.

Substratfeuchte und Gewicht

Halte das Substrat immer leicht feucht (ca. 55%): eine dünne Laub- oder Moosschicht wirkt als Abdeckung und Puffer. Zu nasse Erde (>80%) blockiert den Gasaustausch; Zielbereich Erde 30–60%.

Wiege Deine Tiere etwa monatlich. Bei mehr als 10% gewichtsverlust solltest Du Maßnahmen einleiten und gegebenenfalls auswintern.

  • Stabile temperatur + Sensor im Substrat
  • Kurzes Lüften 1×–2× pro woche
  • Substrat: immer leicht feucht ≈ 55%
  • Monatliches Wiegen, bei Verlust >10% reagieren
  • Praktische tipps: PET-Flaschen als Puffer, behutsames Nachfeuchten

Sanftes Aufwachen: Auswinterung ohne Stress

Ein langsamer Temperaturanstieg ist der Schlüssel für ein sicheres Auswintern. So reagiert der Kreislauf behutsam, die Organe kommen schrittweise in Schwung.

Temperatur‑Rampe über mehrere tage

Fahre die temperatur in klaren Schritten hoch: Tag 1: 6–8 grad, Tag 2: 10–12 grad, Tag 3: 14–16 grad, Tag 4: 18–20 grad.

Bei Gruben achte darauf, dass Nachttemperaturen nicht unter 10 grad fallen und ein Thermo‑Timer Dunkelstrahler bei Bedarf steuert.

Wiederaktivierung: Licht, Sonnenplatz und Futter

Schalte die beleuchtung stufenweise hoch. Tag 5: ~3 stunden mit 38–40 °C Sonnenplatz, Tag 6: ca. 6 stunden bei 35–40 °C.

Nimm die schildkröte aus dem kühlschrank erst, wenn Zielräume stabil sind. Biete sofort frisches Wasser an und beginne mit leicht verdaulichem Futter, sobald sie aktiv sucht.

  • Nutze vorhandene Timer im terrarium und erhöhe Werte langsam.
  • Beobachte Kot, Appetit und Bewegung; leichte Trägheit ist normal.
  • Plane das ende so, dass Nächte nicht wieder stark abkühlen.

Troubleshooting und Sonderfälle: Wenn etwas nicht nach Plan läuft

Manchmal läuft die Überwinterung nicht nach Plan – dann zählen schnelle, entschlossene Schritte. Beobachte Tiere täglich und notiere Temperatur, Feuchte und Gewicht.

Kranke Tiere, trächtige Weibchen, Jungtiere

Kranke Exemplare dürfen nicht in die Kälte. Halte sie im Terrarium mit einem Sonnenplatz (35–40 °C) und suche einen reptilienkundigen tierarzt.

Trächtige Weibchen und instabile Jungtiere brauchst Du individuell zu entscheiden. Kläre das in Absprache mit dem tierarzt, bevor Du eine Kältephase planst.

Häufige Fehler und schnelle Gegenmaßnahmen

Vermeide Keller mit >8 °C; dort läuft der Stoffwechsel falsch und Fettreserven schwinden. Zu nasses Substrat (>80%) blockiert den Gasaustausch.

  • Kontrolliere das gewicht monatlich; bei >10% in wenigen wochen sofort auswintern.
  • Grabe Tiere nie selbst ein; der darm braucht Restinhalt, und Eingraben kann Ersticken auslösen.
  • Halte Notfallkontakte bereit: reptilien‑tierarzt und Backup‑Regeltechnik.

Dein sicherer Weg durch den Winter: artgerechte Schritte, klare Temperaturen, gelassene Routine

Konkrete Temperaturfenster, wöchentliche Checks und das richtige Substrat machen die Überwinterung berechenbar.

Setze auf artgerechte haltung: plane 3–5 monate mit stabilen 4–6 grad, halte die Umgebungstemperatur konstant und kontrolliere Substratfeuchte (≈55%). Decke die erde mit laub und moos ab, so bleibt das Nest immer leicht feucht und die atmung frei.

Wähle Freigehege mit frostsicherer Grube oder eine geregelte box. Lüfte 1–2× pro woche, wiege die Tiere monatlich. Bei >10% Gewichtsverlust sofort auswintern und tierärztlich abklären.

Beim Auswintern rampst Du die temperaturen über mehrere tage hoch, erhöhst Beleuchtung stufenweise in stunden und bietest erst danach Futter an. So führst Du Deine landschildkröte sicher aus der winterstarre.

Redaktion
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Wer schreibt hier? Ich bin Christian, 33 Jahre alt und komme aus Hannover. Meine Leidenschaft zur Tierwelt habe ich im frühen Alter erlangt. Zusammen mit Hunden, Katzen, Vögeln und Kaninchen als Haustieren, habe ich jahrelange praktische Erfahrung erlernen dürfen. Viel Spaß beim Stöbern! Viele Grüße, Christian

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