Darf man afrikanische Weißbauchigel als Haustier in Deutschland halten?

Afrikanischer Weißbauchigel

Haustiere sind in Deutschland beliebt wie nie zuvor. Viele Hunde, Katzen, Kaninchen oder Meerschweinchen sind zu einem lieb gewonnenen Familienmitglied geworden. Allerdings sind immer mehr Menschen auf der Suche nach einem besonderen Mitbewohner. In den sozialen Medien machen seit kurzem Clips die Runde, die den Alltag der afrikanischen Weißbauchigel als Haustier zeigen. Einigen Usern stellt sich jedoch die Frage, ob die Haltung eines solch putzigen Tierchens in Deutschland überhaupt erlaubt ist. Dieser Fragestellung sind wir nachgegangen und haben die wichtigsten Antworten in unserem Ratgeber zusammengefasst.

Das Wichtigste kurz zusammengefasst:1.) Der afrikanische Weißbauchigel darf in Deutschland als Haustier gehalten werden.
2.) Sie werden bis zu maximal sieben Jahren alt.
3.) Für die Haltung wird ein ausreichend großes Gehege benötigt.
4.) Es dürfen niemals zwei gleichgeschlechtige Igel zusammen gehalten werden.
5.) Der afrikanische Weißbauchigel ist sehr kälteempfindlich.

Der Weißbauchigel im Überblick

Der Atelerix albiventris, wie der afrikanische Weißbauchigel im Lateinischen genannt wird, ist nicht größer als 20 Zentimeter und bringt ein Höchstgewicht von bis zu 600 Gramm auf die Waage. Die weiblicheren Igel sind in der Regel größer als die männlichen Genossen. Seinen natürlichen Lebensraum hat er in den Savannen Kenias bis hin zum Senegal. Der afrikanische Weißbauchigel kann wie seine hiesigen Artgenossen ein Lebensalter von bis zu sieben Jahren erreichen. In der freien Wildbahn streift der Igel als Einzelgänger umher und trifft nur zu Paarungszwecken auf seine Artgenossen.

Der Steckbrief des afrikanischen Weißbauchigels:

  • Bezeichnung / lateinischer Name: afrikanischer Weißbauchigel / „Atelerix albiventris“
  • Größe: maximal 20 Zentimeter
  • Gewicht: maximal bis zu 600 Gramm
  • Lebensraum: Savannen Afrikas (Kenia bis Senegal)
  • Lebenserwartung: maximal sieben Jahre
  • Besonderheiten: Einzelgänger, trifft nur zu Paarungszwecken auf seine Artgenossen

Das Leben eines afrikanischen Weißbauchigels

Es ist gar nicht so leicht, einen afrikanischen Weißbauchigel zu sichten. Genau wie seine Artgenossen in Europa, die Braunbrustigel, ist das Tier in der Nacht aktiv. Am Tag verkriecht er sich lieber in seinem Versteck und ruht sich für seine kräftezehrenden Streifzüge der Nacht aus. Bevorzugt zieht sich der afrikanische Weißbauchigel in Höhlen zurück. Je nachdem, was das Tier vorfindet, macht er es sich auch in anderen Behausungen gemütlich.

Der Feind des Igels ist unter anderem die Kälte. Sobald die Temperaturen am Abend unter 18 Grad fallen, kann es für den stacheligen Erdenbewohner lebensgefährlich werden. Sollte die Trockenruhe eintreten, wartet der Tod auf das kleine Tier. Aus diesem Grund benötigt der afrikanische Weißbauchigel Temperaturen, die sich konstant bei 23 Grad Celsius halten.

Viele Menschen gehen davon aus, dass jede Igel-Art einen Winterschlaf hält. Beim heimischen Braunbrustigel mag dies zutreffen, beim afrikanischen Weißbauchigel hingegen nicht. Als Ausgleich hat sich die Natur für das stachelige Tier Afrikas eine Sommerruhe ausgedacht. Diese ist zwar nicht mit dem Winterschlaf vergleichbar, der durchgängig für einen gewissen Zeitraum abgehalten wird, beinhaltet jedoch aktivere und weniger aktive Phasen. In dieser Zeit wird der Stoffwechsel auf ein Minimum reduziert, sodass sich der Igelkörper erholen kann.

Der afrikanische Weißbauchigel als Haustier

Die Grundlage, um den afrikanischen Weißbauchigel kennenzulernen, sind die Lebensgewohnheiten. Viel wichtiger ist jedoch die Antwort auf die Frage, ob das putzige Tierchen überhaupt in Deutschland in privaten Haushalten einziehen darf. Darüber gibt das Washingtoner Artenschutzabkommen, das unter der Kurzbezeichnung CITES bekannt ist, Auskunft. Ein Blick verrät, dass der afrikanische Weißbauchigel nicht unter den Artenschutz fällt. Das liegt vor allem daran, dass das Tier nicht als bedroht gilt.

Diese Ausnahme erlaubt es, den afrikanischen Weißbauchigel als Haustier zu halten. Der heimische Igel ist dagegen geschützt und darf nicht in die heimischen vier Wände einziehen. Tierschützer fordern jedoch immer wieder, den afrikanischen Artgenossen ebenso zu schützen wie die europäische Art.

Die artgerechte Haltung des Weißbauchigels

Tierliebhabern ist daran gelegen, den afrikanischen Weißbauchigel artgerecht zu halten. Genau hier liegt jedoch der Knackpunkt, denn am besten ist es, den stacheligen Erdenbewohner erst gar nicht aus seinem natürlichen Lebensraum zu nehmen. Für Menschen, die sich dennoch für die Haltung des Tieres entscheiden, sollten sich bewusst machen, dass der afrikanische Weißbauchigel ein äußerst anspruchsvoller Zeitgenosse ist.

Die Natur hat es so eingerichtet, dass sich der Mensch und der Igel nicht in die Quere kommen und einen eigenständigen Tagesablauf haben. Zieht der afrikanische Weißbauchigel nun bei einem Tierfreund ein, kann nur von einer artgerechten Haltung gesprochen werden, wenn dieser Aspekt toleriert wird. Der Igel ist und bleibt ein nachtaktives Tier. Aus diesem Grund ist der stachelige Erdenbewohner für Anfänger ungeeignet.

Der Igel ist zwar nur ein kleiner Geselle, benötigt jedoch viel Platz, um seinem Bewegungsdrang gerecht zu werden, ist es notwendig, ein ausreichend großes Gehege einzurichten. Allein dieser Bereich sollte eine Mindestfläche von zwei Quadratmetern nicht unterschreiten. Gleichzeitig ist darauf zu achten, einen Auslauf an das Gehege zu integrieren. Halter müssen bedenken, dass der afrikanische Weißbauchigel pro Nacht einiges an Kilometern gut macht. Von handelsüblichen kleinen Käfigen, wie sie für Nagetiere genutzt werden, sollte jeder Tierliebhaber Abstand nehmen. Diese sind nicht für die Haltung des bewegungsfreudigen afrikanischen Weißbauchigels geeignet.

Mit einem ausreichend großen Gehege ist die Ausstattung noch nicht komplett. Der kleine Igel benötigt zusätzlich eine geeignete Unterlage. Holzeinstreu darf nicht zur Anwendung kommen. Der Grund dafür ist das Verhalten und die Anatomie des Tieres, denn ein gesunder Igel hat stets eine feuchte Nase. Auf der Suche nach Nahrung verwendet der Igel seine Nase und bewegt diese am Boden hin und her. Würde das Gehege nun mit Kleintierstreu ausgestattet sein, besteht die Gefahr, dass die Nasenlöcher verstopfen. Der Igel selbst kann die Späne nicht entfernen und der Erstickungstod droht. Gleichzeitig ist Einstreu dafür bekannt zu stauben, was den Igel zusätzlich belastet.

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Halter sollten auf Zeitungspapier setzen. Dieses saugt den Urin des Tieres auf und lässt sich schnell austauschen. Als Schlafplatz kann dem afrikanischen Weißbauchigel ein Häuschen dienen, das mit einem schadstofffreien Stück Stoff ausgestattet ist. Diese Unterkunft verschafft ihm einen Rückzugsort, in dem er es sich gemütlich machen kann. Bei der Haltung ist zudem darauf zu achten, dass nie zwei gleichgeschlechtliche Igel in einem Gehege aufeinandertreffen. Wie bereits erwähnt sind die stacheligen Erdenbewohner als Einzelgänger bekannt und dulden keinen Rivalen in ihrer Nähe. Bei der Ausgestaltung der tierischen Unterkunft muss eine konstante Temperatur von 23 Grad gewährleistet sein, da der kleine Bewohner kälteempfindlich ist.

Das richtige Futter für den afrikanischen Weißbauchigel

Sobald die richtige Behausung für den afrikanischen Weißbauchigel vorhanden ist, sollten sich Tierliebhaber mit dem geeigneten Igelfutter vertraut machen. In der Natur bestimmt die Jahreszeit über den Speiseplan des Igels. Er ist kein reiner Pflanzenfresser, sondern ernährt sich hauptsächlich von Insekten, Weichtieren und Larven. In Gefangenschaft sollten dem Tier ein ebenso vielfältiges sowie naturnahes Nahrungsangebot gemacht werden. Aus diesem Grund können Mehlwürmer, Schnecken und Regenwürmer verfüttert werden. Diese sind in einer Zoofachhandlung erhältlich.

Das größte Risiko beim Füttern eines Igels stellt die Mangelernährung dar. Es muss auf die richtige Abwechslung geachtet werden. Katzentrockenfutter oder Nassfutter eignet sich nur bedingt, kann den Speiseplan jedoch ergänzen. Tierfreunde sollten Wert auf ein Futter legen, dass ausreichend Proteine enthält. Sechzig Prozent und mehr sind ideal.

Viel zu hartnäckig hält sich die Meinung, dass ein Igel gern Milch zu sich nimmt. Das Gegenteil ist der Fall, denn der Igel ist laktoseintolerant und verträgt aus diesem Grund keine Milch. Am besten geeignet ist Wasser, das in einer kleinen Schale täglich frisch angeboten wird.

Fazit

Selbst wenn das Interesse groß ist, einen afrikanischen Weißbauchigel zu halten, sollte dem Tierwohl zuliebe davon Abstand genommen werden. Der natürliche Lebensraum kann niemals nachempfunden werden und der Igel ist in seiner gewohnten Umgebung besser aufgehoben als in Gefangenschaft. Wer dennoch nicht auf das putzige Tierchen verzichten möchte, sollte darauf achten, einen großen Platz mit viel Auslauf bereitzuhalten. Gleichzeitig ist eine nährstoffreiche Nahrung immer zu gewährleisten.

Die Tierhaltung ist eine reine Herzenssache. Tierfreunde tun etwas Gutes, wenn sie den afrikanischen Weißbauchigel in seiner Heimat durch Spenden schützen und ihn dort wachsen und gedeihen lassen. Gleichzeitig kann die heimische Tierwelt gefördert werden, indem der Garten so hergerichtet wird, dass sich ein Igel und andere tierische Bewohner wohlfühlen. Die Natur ist immer noch das beste Zuhause für ein jedes Wildtier.

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